Von der Einsamkeit

Gatsby steht mit einem Glas Whisky auf seiner Terasse, als Nick Caraway zu ihm kommt.

Ich stand monatelang allein auf meinem Balkon und betrank mich ruhig und stetig, und niemand kam.

Das ist das Problem mit der Einsamkeit: Um sie darstellen zu können braucht es andere Menschen, Beobachter. Aber in der Realität ist man eben einfach einsam.

Might Contain Emotion

Es ist langelange nix passiert hier — das liegt nicht daran, dass im schönen Wiesbaden Stillstand herrschen würde (dem ist schließlich immer so…), das liegt nur daran, dass ich eine faule Sau bin, die gerade mit Arbeit zugeschüttet wird. Irgendwas fällt eben immer hinten runter, zum Beispiel diese Seite hier.

Ich gelobe Besserung.

Gegen allzu große Sehnsucht hilft nun aber auch das wundervolle Portal indieberlin, für das ich neuerdings Rezensionen beisteuern darf.

Zum Beispiel diese hier zu Amandas Palmers literarischem Debüt „The Art of Asking“.

Mehr wird folgen.

Bestimmt.

Bald.

Tales from the Madhouse

Wenn man die Pökelfleisch-Einlage aus der Suppe popelt, um sie „Kamelle! KAMELLE!“ brüllend vom Balkon zu werfen,

wenn man mit der brennenden Kippe im Mund den Fuß hinter den Kopf knotet, bis man über den Krankenwagen-Parkplatz rollt,

wenn man Transport-Rollbretter zu Skateboards umfunktioniert und mitten in der Nacht damit die Tiefgarage invadiert,

wenn man erfolgreich illegale Taubenkämpfe veranstaltet,

wenn man Containerschiffe mit übers Wasser flitschenden Steinen beschießt, auf dass sie leckschlagen und versinken mögen,

wenn man feststellt, dass das angebliche Bistro „L’Amuse-bouche“ in Wahrheit ein Special-Interest-Puff sein muss,

wenn die frischen Quarkbällchen nur wegen ganz bestimmter Eier so köstlich geworden sein können,

wenn die Schwangeren von der Strickgruppe Contergan einnehmen, weil sie „keine Ärmel können“,

wenn auf den Tischen im Speisesaal Protest-Yoga stattfindet, ehe man nackt in der Kapelle das Kruzifix anzündet und im Weihwasserbecken badet,

wenn alle auf einmal Steffen heißen,

 

wenn all das passiert, obwohl keinerlei Alkohol im Spiel ist — kann es dann sein, dass die moderne Psychiatrie den Einsatz von Medikamenten ein klein wenig übertreibt?

DreckSack

Manchmal geschehen schöne Dinge – zum Beispiel wird ein Text abgelehnt, aber die Blog-Ergüsse für geil befunden.

Damit – und mit einem neuen Text – bin ich nun also in der aktuellen Ausgabe des DreckSack vertreten.

Pics or it didn’t happen

Wie angekündigt – Bilder von der Buchmesse Leipzig 2015.

Wenig, qualitativ minderwertig, aber da müssen wir jetzt alle durch. Dafür sind die Bilder alle von mir, es wird also keinen Ärger geben.

Wer sich erkennt und das nicht will: Bitte Nachricht an mich. Wer sich erkennt und das definitiv will: Bedient Euch. Bitte unter Nennung der Quelle.

 

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Buchmesse Leipzig 2015

Du drängelst Dich durch schlendernde Menschenmassen. Du kommst genervt irgendwo an.

Es gibt Bier. Es gibt Rum. Manchmal gibt es Wein.

Auf einmal erkennen Dich die Leute, die, die Du schon vor drei Jahren unter ganz ähnlichen Umständen getroffen hast, und danach nochmal woanders und dann wieder woanders, und von denen Du eigentlich dachtest, sie würden sich nie merken, wer Du bist.

Und dann führst Du Gespräche über Traktor-Legenden und Sammelheftchen, Curling, die schönsten Bahnstrecken Deutschlands, Techniken der Ausweidung und Weihnachts-Besäufnisse und weißt: Hier bin ich richtig, hier setze ich mich mal in den Weg.

Ehe Du weißt, was überhaupt passiert ist, liest Du Leuten Dinge vor und lässt Dir vorlesen und kriegst Komplimente und Schnaps. Du entwickelst eine fast schon unheimliche Faszination für diese Fremden. Und dann wachst Du auf und wurdest bemerkt, die Faszination könnte eine Gegenseitige sein, und vielleicht wird doch noch alles gut und bunt.

Dann stehst Du wieder irgendwo, liest irgendwas, bekommst irgendwas vorgelesen, lachst und freust Dich und kriegst Komplimente und Essen.

Dann bist Du wieder zuhause, kannst nicht schlafen, weil Du die ganze Zeit lachen willst, liest in die leere Luft, denn Du bist wieder allein und nachdem Du endlich geschlafen hast, ist auch nichts klarer als vorher.

Aber das war es wert.

Die nächsten Rumwaffeln brauchen bitte Zimt.

 

Ausführlicher gibt es das Ganze bei der Spelunkenjenny.

FLEDERMAUSLAND!

Hola meine lieben Leser — heute spare ich mir vielviel Arbeit und verweise einfach auf Susann Klossek:

Frisch ab Presse!

Gerne darf man auch bei mir Bestellungen loswerden, ich besorge die dann bei Miss GonZo.

Grüße & bis nächste Woche in Leipzig!

Die Fenster der Stadt III

„Du solltest mal was wagen!“, hatte Luzie gesagt, „mal rausgehen, was Verrücktes tun. Raus aus der Komfortzone!“

Nun saß Lisa hier, aufgedonnert wie eine Nutte, in einer stinkenden, irgendwie ekelhaften Kneipe in einer Einkaufspassage. Sie kannte sich in der Stadt noch nicht besonders gut aus, obwohl sie schon seit zwei Jahren hier lebte. Vor ihr stand eine dampfende Tasse Glühwein mit Schuss.

Das Zeug schmeckte ekelhaft.

Um sie herum nur alte Säufer. Biergeruch und Zigarettenqualm standen in der Luft. Das Stimmengewirr rührte von den Einkaufenden her, die Gäste dieser Spelunke waren weitgehend stumm.

Zweifelnd schaute sie sich um.

„Grenzen ausloten“, hatte Luzie gesagt, „etwas wagen und etwas Verrücktes tun.“

Lisa kam sich sehr verrückt vor – dennoch würde sie jetzt lieber auf ihrer Couch liegen. Im Bademantel. Mit kuschligen Socken an den Füßen statt der unbequemen Highheels.

„Vielleicht triffst Du ja Deinen Traummann!“

Luzie hatte gelacht, als sie das gesagt hatte. Ihre Mitbewohnerin war ihr einziger Kontakt in der Stadt. Das würde wohl auch so bleiben – hier einen Traummann finden? An einem Werktag, nachmittags – eher einen Alptraum-Mann.

Einen Spielsüchtigen, oder vielleicht einen der Bauarbeiter, die hier offensichtlich ihre Mittagspause verbrachten, in der sie Bier tranken und stinkende Currywurst verspeisten.

Sie erwartete fast, jeden Moment nach ihrem Preis gefragt zu werden.

Doch außer ein paar verstohlenen Blicken konnte sie keine Reaktion auf ihr Auftauchen verbuchen. Vermutlich war das auch besser so.

Lisa legte das Geld für ihr Getränk neben den vollen Becher und ging, den Kopf schamhaft gesenkt.

Was hatte sie sich dabei gedacht?

Sie stand nicht besonders auf fremde Menschen in ihrer Nähe, egal wann, daher arbeitete sie auch von Zuhause. Wenn denn mal ein Auftrag kam. Seit einigen Wochen hatte sie keinen mehr bekommen.

Frustriert spazierte sie durch den Regen. Als sie den Marktplatz überquerte, stellte gerade ein junger Mann Stiefel hinter eine Bank und ging dann einfach weg.

Verwundert schaute sie ihm nach. Er war hübsch, blond, groß, schlank, aber warum sollte jemand einfach so Schuhe aussetzen?

Einer Eingebung folgend schaute sie auf – an einem Fenster stand eine junge Frau und blickte auf den Platz, auf die Stiefel, auf den Mann, bis er hinter einer Ecke verschwand. Sie weinte.

Lisa tat die Frau leid.

Sie ging weiter, zurück nach Hause, und dachte über die traurige Frau nach.

Verrückt sein. Etwas wagen.

Sie kaufte an einem Kiosk Zigaretten, obwohl sie nicht rauchte. Diese normale Transaktion, die wenigen Worte, die der gelangweilte Verkäufer mit ihr wechselte, taten gut.

Draußen öffnete sie das Päckchen und steckte sich eine an. Ein Hustenanfall folgte, der sie nicht davon abhielt, noch zwei weitere Zigaretten zu rauchen, bis sie den Filter erreichte.

Ihr Magen rebellierte, ihr wurde schwindlig, sie fühlte sich vergiftet. Vor ihrem Haus übergab sie sich.

In der Wohnung angekommen zog sie ihr Kleid, die Schuhe und die Seidenstrümpfe aus und legte sich im Bademantel auf die Couch.

Besser.

Etwas wagen, am Arsch!