August

So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Es sollte doch entspannend, anregend und vielleicht ein bisschen lehrreich sein, mein Unterwasser-Abenteuer in dem alten Baggersee. Tatsächlich ist es einfach nur anstrengend. Diese stinkenden kleinen Bastarde lassen mir ja keine andere Wahl. Jetzt ist es doch Arbeit geworden, richtig harte Arbeit sogar.

Alles Ausländerkinder, diese besonders schlecht erzogenen kleinen Ratten ohne Respekt vor deutschen Tugenden und deutschen Recken.

Hier stehe ich nun, in voller Taucherausrüstung, der Schweiß läuft mir den Rücken hinunter und sammelt sich unangenehm in der engen Neoprenhülle.

Dabei hätte es so schön werden können: Der See, das Wasser, Dunkelheit zwischen den Algen, Licht näher an der Oberfläche, die aufsteigenden Blasen aus meiner Sauerstoffflasche, hier ein Hecht, dort ein Barsch, wie sie majestätisch durch ihre Heimstatt gleiten.

Doch nichts war majestätisch: Einer der kleinen schwarzen Bastarde sprang mit dem Hintern voran in den See und blitzschnell waren meine schuppigen Freunde verschwunden, das Wasser zerwühlt, die Algen in Aufruhr, die Klarheit dahin.

Zu viele Kinder, viel zu viele Kinder in meinem kleinen See. Es wurde laut.

Zuerst floh ich einfach, schwamm zurück zu meinem kleinen Lager in der Uferböschung neben dem zugewachsenen Holzsteg. Aber dort ärgerte ich mich so sehr, dass ich beschloss, etwas zu tun. So einfach lasse ich mich nicht vertreiben, nicht von diesen kleinen Kanacken! Seit Wochen tauche ich hier, ich kenne jeden Fisch beim Namen, weiß um jedes Nest.

Ich schwamm also zurück. Etwa in der Mitte des Sees war eines dieser Kinder allein, ließ sich in der Sonne treiben. Das habe ich zuerst entsorgt, es war ganz leicht, diese Drückeberger sind schwächlich und wehren sich nicht lange. Dann kam noch ein Kind, danach zwei.

Doch langsam wurde ich müde, es ging allzu langsam so, ich würde bis zum Herbst brauchen, bis ich wieder in Ruhe tauchen könnte.

Also musste ich den See doch verlassen und in meinem Wagen nach passendem Zubehör suchen. Die vier ertrunkenen Kinder habe ich nahe dem Grund des Sees in das Algendickicht gesteckt, das hält ganz gut.

Jetzt ist der gesamte See präpariert, und ich bin erschöpft, sehr erschöpft. Es hat lange gedauert und war sehr schwierig. Aber meine vier neuen Freunde haben mir sozusagen dabei geholfen. Sie sind nun Bomben! Wirkliche, wahrhaftige Bomben!

Ha, Ihr Kinder, ha! Ihr hättet Euch eben nicht mit dem Chemiker anlegen sollen.

Nein, das klingt jetzt allzu melodramatisch, allzu sehr nach Super-Schurke.

Aber was sonst kann ich in diesem erhabenen Augenblick sagen, einem Augenblick der Befreiung? Ein Gedicht deklamieren? Vielleicht die Nationalhymne anstimmen? Das wäre passend, oh so passend.

Also denn, ich singe laut und vernehmlich, die Hand am Herzen, meine Stimme klingt über den See, in dem sie noch immer ahnungslos toben und kreischen und in ihrem Spiel weder mich noch das Fehlen ihrer Kameraden bemerken. Die Sonne sinkt bereits hinter die Bäume am anderen Ufer, meinem Ufer, denn ich stehe meinem verborgenen Steg gegenüber auf einem neueren Holzkonstrukt, das gerade noch übersäht war mit dem Unrat der Kinder. Ich habe all ihre Sachen in den See geworfen, sie werden ihre Handtücher und kleinen Hemden und Hosen nun nicht mehr brauchen.

Dieser Gedanke macht mich lachen, ein freudiges, echtes Lachen, und ich weiß, dass der Moment nun gekommen ist, und auf dem nunmehr leeren Steg an diesem meinem Lieblingssee in der rotglühenden Frühabendsonne betätige ich den Auslöser und der See detoniert, genau nach Plan, und reißt die kreischenden und stinkenden kleinen Kanacken in den verdienten Tod.

Schnell ist es ruhig, endlich wieder ruhig.

Ich warte einig Minuten, ehe ich mir die Taucherbrille von der Stirn über das Gesicht ziehe und mit einem kühnen Sprung vom Steg in meine Lieblingswelt eintauche.

Doch Schande: Wie konnte ich mich hinreißen lassen, mit solch harten Mitteln meinen See zurückzuerobern? Überall schwimmen Teile dieser widerlichen Kinderkörper, und dazwischen, ach, auch meiner Fische!

(Aus: KALENDARIUM. Ein Jahreszyklus in Wort-Ton-Bild.)

Berlin – Eine Danksagung

Donnerstag durften <dE/mutE> und ich als KALENDARIUM im hübschen kleinen Chaostheorie in Berlin Prenzlauer Berg auftreten.

Kurz zusammengefasst: YIIIIII-HAAAAAAWWWWW!!!

Verlagskollege Vincent Voss hat uns den Mund wässrig gelesen – „Ich bin böse“ steht jetzt auf meinem Wunschzettel ganz oben.

Dann durften wir spielen, spielen, spielen – und es sind sogar einige Zuschauer geblieben. Einige davon kannten wir nicht einmal! Einige davon wiederum haben gelacht und applaudiert. Es war ein voller Erfolg!

Vielen Dank also…

…an das Team vom Chaostheorie, Eure Drinks sind phantastisch!

…an Vincent Voss, der mir sicherlich schlaflose Nächte bereiten wird.

…an Claudia Rapp, ebenfalls Kollegin, Freundin, Organisatorin & tolle Gastgeberin – ich habe mich bei Dir sehr wohl gefühlt und freue mich auf das nächste Treffen!

…an die Gäste, die uns zuhören wollten, sich haben einfangen lassen, unsere Show genossen – ich bin stzolz und glückliuch, dass ich vor Euch lesen durfte, und ich werde es gerne wieder tun!

…an Fabio Orsi, der zwar nicht bei unserem Auftritt war, uns aber am Freitag sein Berlin gezeigt hat – ein Berlin voller Kneipen, in denen man rauchen darf, netter Menscher mit schönen Ideen, Fotomotive besonderer Art. Loved our tour through Mitte, Fabio! See you soon!

Kommt uns sehen – KALENDARIUM in Berlin!

Jaaaaa, auch <dE/mutE> und meine Wenigkeit wollen mal ein bisschen raus aus dem Rhein-Main-Gebiet und den Rest der Republik mit unserer Auffassung von Kunst beglücken. Also haben wir gefleht und gebettelt und schließlich die unvergleichliche Claudia Rapp dazu bekommen, uns im Rahmen ihres „Autorenlabors“ auftreten zu lassen. „Sex & Crime und alles andere“ heißt die Reihe – das lassen wir uns nicht entgehen.

Am 16. Oktober spielen KALENDARIUM im Chaostheorie in der Lychener Straße 4 – die meisterhaften Videos von Ingo Loeb haben wir natürlich auch im Gepäck. Aber es gibt sogar noch mehr, für das sich die Reise lohnt: der zu Recht preisgekrönte Vincent Voss liest ebenfalls.

(Ihr kennt ihn noch nicht und wollt Euch erst ein Bild machen?? Kann ich verstehen – beginnt doch einfach mit der Anthologie Horror-Legionen, in der er vertreten ist – ich habe mich damals sofort verliebt.)

Horror vom Feinsten & Skurriles von uns – das sollte man nicht verpassen!