In meinem Wohnzimmer

Ich liege auf der Couch in meinem Wohnzimmer. Der Fernseher läuft. Ein Nachtfalter flattert hektisch herum – immer wieder prallt er mit Getöse gegen die Deckenlampe. Ich sollte aufstehen und sie ausschalten, damit das Licht nicht auch noch all seine Freunde anlockt.
Doch ich kann nicht aufstehen: Auf meiner Hand sitzt eine Spinne, klein & schwarz. Ich will sie nicht stören. Mit der anderen Hand halte ich die Fernbedienung, zappe herum. Es läuft überall Werbung. Die Spinne kriecht zwischen meinen Fingern herum, zieht schimmernde Fäden ihrer Seide hinter sich her.
So fragil – eine winzige Bewegung kann alles zerstören. Ich halte still.
Die Werbung nimmt kein Ende. Ich schalte den Fernseher aus. Der Fernseher schaltet sich wieder ein. Die kleine Spinne hat meine Hand komplett umwoben. Sie sitzt zufrieden auf meinem Arm. Gemeinsam bewundern wir ihr Meisterwerk.
Der Nachtfalter hat sich an meiner Lampe den hohlen Schädel eingeschlagen. Er liegt zuckend am Boden. Immer noch Werbung. Wieder schalte ich den Fernseher aus.
Die Spinne arbeitet an meinem Arm. Der Fernseher geht wieder an. Auf dem Bildschirm sehe ich, wie die Spinne meine Brust in ihre Seide hüllt, meinen anderen Arm, die Beine.
Jetzt kann ich den Fernseher nicht mehr ausschalten; dazu müsste ich die Hand heben und ihr Netz zerreißen.
Ein Grashüpfer kommt durchs Fenster und bleibt an meinem rechten Knie kleben. Die Spinne eilt zu ihm, fesselt ihn und saugt ihn gierig aus. Satt und zufrieden lächeln wir uns an. Der Fernseher schaltet auf Werbung.
Die Spinne beendet ihre Arbeit an meinem rechten Fuß und wandert an mir hoch, bis sie mein Gesicht erreicht. Glitzernde Fäden nehmen mir nach und nach die Sicht.
Ich kann mich nicht bewegen.