In meinem Waschkeller

In meinem Waschkeller ist ein schwarzes Loch.
Es ist ziemlich klein, kaum größer als das Bullauge der Waschmaschine. Es schwebt kurz vor der Wand zum Weinkeller des Vermieters, in der Ecke, in der mein Wäscheständer darauf wartet, Kleidung zu trocknen.
Anfangs haben wir gewitzelt, dass darin bestimmt immer die Socken verschwinden, wenn nach dem Waschen mal wieder kein einziges Paar komplett zu sein scheint. Aber das schwarze Loch findet das nicht lustig. Es frisst nicht die Socken. Ich glaube, es frisst Seelen.
Mein Mann hat mal reingeschaut. Er mit seiner verdammten ewigen Neugier – hat einfach seinen Kopf hindurchgesteckt und sich ausgiebig umgesehen. Fasziniert beschrieb er mir Welten, Galaxien, ein ganzes Weltall im Innern unserer Wand. Nicht minder fasziniert lauschte ich seiner dumpf klingenden Stimme. Dann lief ich rüber in den Weinkeller, um zu sehen, ob auf der anderen Seite der Wand, auf der anderen Seite des Lochs, etwas zu sehen ist. Aber da ist nichts als blanker Putz.
Dann schrie mein Mann und ich rannte zurück.
Dann verstummte er.
Seitdem hat er nicht mehr gesprochen, kein Wort. Seitdem sieht er niemanden mehr an, starrt nur an uns vorbei ins Leere.
Ich frage mich, was er gesehen hat.
Ich frage mich, ob er es immer noch sieht.